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Die Landschaft ist weiblich
NRZ 07.05.10
Von Inge Hufschlag.

Die Kunsthalle am Grabbeplatz bietet einen Malkurs im Zusammenhang mit einer Ausstellung an.

Die Landschaft ist weiblich. In Form, Farbe, Temperatur, Stimmung? Jedenfalls ist es der erste Kurs in Landschaftsmalerei, den die Kunsthalle am Grabbeplatz im Zusammenhang mit der laufenden Ausstellung von Maats Leiderstam „Seen from here“ anbietet, zehn Frauen - die meisten malen schon lange - und ein junger Mann, Lars. Katrin Roeber, ehemalige Meisterschülerin von A. R. Penck an der Düsseldorfer Kunstakademie leitet den Workshop.
Er beginnt mit einem Besuch der Ausstellung und einem Zettelkurs zum Thema „Wahrnehmung der Wahrnehmung“. Roeber: „Wir wissen nie, was hat der Maler wirklich gesehen. Und der Maler wird nie wissen, was wir in seinem Bild sehen.“ So haben es die meisten noch nie gesehen.
Was sehen wir? Licht, Landschaft, Farben, Ausschnitt, eine Hängung als eigene Landschaft an der großen Wand der Kunsthalle. Ein Röntgenbild eines Bildes entlarvt, dass der Künstler den Gang der Sonne eigenhändig umgeleitet hat, eine andere Installation, dass ein Maler schöpferisch in die Landschaftsgestaltung eingreift. Sehen und Begreifen. Ein Wasserfall stürzt ins Neandertal. Projektion auf ein fertiges Bild oder auf die reine Leinwand? Jedenfalls Anregung satt fürs eigene Werk.

Umzug der für diesen Sonntag gebildeten kleinen Düsseldorfer Malerinnenschule ins Atelier der Künstlerin, die an der Ackerstraße ihre eigene Kunstschule „Dot and Line“ betreibt. Die kleinen Formate sind schon vorbereitet, bereits ockerfarben grundiert, Farben und Pinsel stehen bereit. Die Teilnehmerinnen und der Teilnehmer haben sich ein Bild von „ihrer“ Landschaft mitgebracht, aus Urlaub, Kunstbuch oder Internet. Mal ganz klassisch: Kirche mit Zwiebelturm in bewaldeter Hügellandschaft oder geheimnisvolle, nebelumwaberte Felslandschaft im Hochformat wie aus dem 3-DFilm „Avatar“. Lars hat sich Mallorcas schönstes Tortenstück hingelegt: Cap Formentor. Antonia malte schon als Kind, aktuell organisiert sie selbst inzwischen Malkurse für Demenzkranke. Cornelia ist glücklich, inzwischen „Ein eigenes Zimmer zum Malen zu haben, in das ich mich zurückziehen kann.“
Kursleiterin Katrin gibt praktische Tipps „Klare Farben wirken oft unnatürlich, gebrochene Töne sind natürlicher.“ Gemalt wird mit Acrylfarben. Viel mischen, heißt das Rezept. Im Gegensatz zum Aquarellieren ist Acrylmalerei Schichtarbeit. Das verführt zu ständiger Selbstkorrektur und Anfängerunzufriedenheit. Katrin Roeber: „Steht ruhig mal zwischendurch auf und betrachtet Euer Werk mit etwas mehr Abstand.“
So unterschiedlich wie die Herangehensweise sind auch die Ergebnisse. Die einen greifen sofort zum breiten flachen Pinsel und legen raumgreifend los. Andere tüpfeln pinselhaarfein winzigste Details. Die Geübten setzen geschickt den gespreizten Pinsel für die Widergabe von Pflanzenfächern oder den Schwamm zur Wölkchenbildung ein. Katrin korrigiert nur hier und da, zeigt, wie mit wenig Aufwand Licht und Schatten, atmosphärische Tiefenwirkung zu erzielen ist.
Banale Erkenntnis am Ende des rund zweistündigen Schaffens: So schwierig es ist, auf der leeren Leinwand einen Anfang zu wagen, ist es schlussendlich, den Pinsel wegzulegen und das Werk als vollendet zu betrachten. Ist es ja vielleicht auch nicht.
Die meisten wollen ohnehin weitermachen und –malen.






WZ 12.07.2016